Die Geschichte der "Dresden"

Als das Reichsmarineamt 1906 entsprechend des genehmigten Flottengesetzes vom 14. Juni 1900 den Ersatzbau von zwei Kleinen Kreuzern in Auftrag gab, war die Geburtsstunde S.M.S. “Dresden” festgelegt. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Ersatz für den veralteten Kreuzer “Comet” (Bau-Nr. 195) noch keinen Namen. Der andere Kreuzerbau, die “Emden”, sollte den Kleinen Kreuzer “Pfeil” aus dem Jahre 1882 ersetzen. Der “Ersatz Pfeil” (Bau-Nr. 615) erhielt den erprobten Antrieb mit zwei stehenden dreizylindrigen Dreifach-Expansionsmaschinen. Für den Ersatzbau “Comet” dagegen war ein Dampfturbinenantrieb geplant, der vierte Schiffbau der Kaiserlichen Marine mit dieser Antriebsart. Als bauausführende Werft erhielt die Privatwerft von Blohm & Voss in Hamburg den Auftrag, die erstmals diese Antriebsart einbaute. Nach der Zuschlagerteilung durch das Reichs-Marine-Amt am 31. Oktober 1906 konnte die Werft ihre erste Rate lt. Zahlungsplan abrufen. Diese Rate betrug 1.953.000 Mark. Aus dem Gesamtkostenrahmen der Anschaffung dieses Kleinen Kreuzers “Dresden” von ca. 7.460.000 Mark erhielt die Werft Blohm & Voss 4.690.000 Mark für den Bau des Schiffes. Am 5. Oktober 1907 war der Schiffskörper zum Stapellauf bereit und die Werft konnte die nächsten Gelder abrufen. 

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Foto (Quelle:Sächsisches Staatsarchiv): Bauzustand am 26.03.1907                 

Foto: Übergabe des Kleinen Kreuzer “Dresden” von der Werft an die Marine am 22. 10.1908 (Abnahmekommission nach Contractfahrt)

Von der Taufe bis in die Flotte:

Der Oberbürgermeister der Stadt Dresden, Herr Dr. Gustav Otto Beutler, hielt am 5. Oktober 1907 die Taufrede anläßlich des Stapellaufes und gab dem Schiff den vom deutschen Kaiser befohlenen Schiffsnamen “Dresden”. Ab diesem Zeitpunkt entstand eine sehr intensive Zusammenarbeit mit der Patenstadt und seinem Schiff, welches noch Jahre nach seinem Ende anhielt und dokumentiert ist. Das am 14. November 1908 als S.M.S. “Dresden” in Dienst gestellte Schiff lag bereits einige Wochen vorher in der Kaiserlichen Werft. Hier befand sich das Ausrüstungslager der Marine, wo die “Dresden” ihren Ausrüstungsschuppen hatte, indem alle notwendigen Dinge gelagert wurden, die so ein Schiff benötigte, vom Geschirr bis zur Rettungsausrüstung. Es begann die Zeit der Erprobungen in See, der Messungen von Leistungen des Antriebes, den Funktionstests aller Anlagen und Geräte einschließlich der Bewaffnung in insgesamt vier Abschnitten, die sich, auch begründet durch Zwischenfälle, bis zum September 1909 hinzogen. Am 28. November 1908, während einer Erprobungsfahrt vor der Eckernförder Bucht, kollidierte die “Dresden” in voller Fahrt mit dem schwedischen Lastensegler “Cäcilie”, der mit Ziegelsteinen beladenen war und sofort sank. Menschen kamen dabei glücklicherweise nicht um ihr Leben. Offensichtlich durch das dadurch vorhandene Treibgut, welches in den Steuerbord-Außenpropeller gezogen wurde, kam es zu Schäden am besagten Propeller, seinem Wellenbock mit Fundament und an der achteren Steuerbordseite des Schiffes. Zur Beseitigung dieser Schäden mußte das Schiff für ca. 6 Wochen in die Werft von Blohm & Voß nach Hamburg zurück. Im letzten Erbrobungsabschnitt kam es Ende Juli 1909 zu einer Turbinenhavarie, deren Beseitigung in der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven vorgenommen wurde.

Flottenbesuch in den USA:

Die Werftliegezeit wurde am 7. September 1909 abgebrochen, da die “Dresden” zur Teilnahme an der Flottenparade anläßlich der “Hudson-Fulton-Feier” nach New York befohlen wurde. Einen Tag vor der Abreise übergab eine Delegation der Patenstadt Dresden ihre Geschenke an die Besatzung. (u.a. einen silbernen Tafelaufsatz für die Offiziersmesse und eine Bordbibliothek mit ca. 360 Büchern) Am 11. September 1909 verließ S.M.S. “Dresden” Wilhelmshaven, um sich in Unterstellung des deutschen Geschwaders zu diesen Feierlichkeiten nach New Port (USA) zu begeben. Dieses Geschwader stand unter Führung von Großadmiral v. Köster auf dem Flaggschiff "Victoria Louise". Weiterhin gehörten die Kreuzer "Herta" und der Kleine Kreuzer "Bremen" zu diesem Verband. In dieser Zeit war die “Dresden” in den bekannten Schiffsfarben für Auslandskreuzer in Friedenszeiten, Rumpf weiß - Aufbauten ocker, gepönt. Die Feierlichkeiten fanden vom 24. September bis 9. Oktober1909 in New York statt.

Foto: Blick auf die “Dresden” während der Flottenparade in New York (USA), dahinter “Herta” und an der Spitze “Victoria Louise”

Diese Broschüre über die US-Navy erhielten alle Teilnehmer an den Feierlichkeiten in New York.

Im Flottendienst 1909 bis 1913:

Am 22. Oktober 1909 war die “Dresden” wieder in der Heimat zurück und wurde nun dem Verband der Aufklärungsschiffe unterstellt. In dieser Zeit wurde die “Dresden” als taktische Nummer 5 der Kleinen Kreuzer im Aufklärungsgeschwader geführt, deshalb auch Bilder von dem Schiff mit 5 Schornsteinringen (zwei untereinander am ersten Schornstein, zwei am mittleren Schornstein und einen am hintersten Schornstein). Am 16. Februar 1910 kam es während einer Ausbildung in See zwischen der “Königsberg” und der “Dresden” zu einer Kollision, in deren Folge die “Dresden” für eine Woche in die Kaiserliche Werft musste. Vom 13. bis zum 17. Mai 1910 nahm der Kleine Kreuzer “Dresden” an einem Städtebesuch in der Hansestadt Hamburg teil. Ein weiterer “Höhepunkt” für das Schiff war die Teilnahme an des Kaisers jährlichen “Nordlandfahrt” 1910. Gern zeigte der Kaiser bei dieser Gelegenheit seine neuen Kriegsschiffe den Monarchen des Nordens. Nach Umgruppierungen innerhalb der Kleinen Kreuzer des Aufklärungsgeschwaders im Jahre 1911 wurde die “Dresden” als taktische Nummer 3 befohlen und trug deshalb nur noch drei Schornsteinringe (zwei untereinander am vorderen Schornstein, einen am mittleren Schornstein). In den Jahren 1911/1912 versah die “Dresden” ihren Dienst in den Aufklärungsstreitkräften. Für das Artillerieschießjahr 1911/1912 erhielt das Schiff den “Kaiserpreis” für die Kleinen Kreuzer der Kaiserlichen Marine. Das Artillerie- und Signalpersonal zeigte dabei einen sehr guten Ausbildungsstand. Vom 14. bis 20. April 1912 befand sich das Schiff in einem Lehrgeschwader unter Führung von Konteradmiral Lans, welches in der Ostsee einen Ausbildungsabschnitt absolvierte. (Führerschiff “Friedrich Carl” und der Kleine Kreuzer “Mainz”).

In der Mittelmeerdivision:

Am 6. April 1913 wurde die “Dresden” in die Mittelmeerdivision abkommandiert, da die sich verschärfenden Auseinandersetzungen an der albanisch-montenegrinischen Küste (Skutari) den Kleinen Kreuzer “Breslau” aus der Mittelmeerdivision stark in Anspruch nahm und eine Verstärkung deutscher Präsenz im östlichem Mittelmeer dem Admiralstab notwendig erschien. Gemeinsam mit dem Kleinen Kreuzer “Strassburg” überführte “Dresden” nach Malta und meldete sich in Unterstellung von Konteradmiral Trummler, dem Chef der deutschen Mittelmeerdivision. Während “Dresden” weiter nach Konstatinopel befohlen wurde, lief “Strassburg” vorerst nach Alexandretta. Außer ein paar Ausfahrten im östlichen Mittelmeer, u. a. Besuche von Mersin, Haifa und Port Said, kam es zu keinen nennenswerten militärischen Aktivitäten. Ende August erhielt die “Dresden” Befehl, nach Deutschland zurückzukehren. Sie traf am 23. September 1913 in Kiel ein.

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Foto: Ausflug der Dresden-Besatzung zu den Ruinen von Pompeiopolis 1913

Das Schiff begab sich sofort in die Kaiserliche Werft in Kiel zur planmäßigen Werftinstandsetzung. Zu dieser Zeit befand sich der Kleine Kreuzer “Bremen” schon seit etlichen Jahren auf der Ostamerikanischen Auslandsstation zur “Wahrung der deutschen Interessen und zum Schutz seiner im Ausland befindlichen Staatsangehörigen”. Seit dem Sturz von Diktator Diaz in Mexiko im Jahre 1910 befand sich dieses Land im Bürgerkrieg. Die Schiffe der deutschen Marine, die dabei vor Ort waren, versuchten, die deutschen Handelsniederlassungen und Reedereistützpunkte, inclusive das Hab und Gut der in Mexiko lebenden Deutschen, zu schützen. Da die “Bremen” dringend einer größeren Werftüberholung in Deutschland bedurfte, wurde im Dezember 1913 die “Dresden” zum Ersatz an die ostamerikanische Küste befohlen. Eigentlich war seitens des Admiralstabes der neue Kleine Kreuzer “Karlsruhe” dafür vorgesehen. Seine Fertigstellung, einschließlich der notwendigen Erprobungen, verzögerte sich jedoch bis zum Frühjahr 1914. Damit der etatmäßig vorgesehene Kommandant der “Karlsruhe”, Fregattenkapitän (FK) Köhler, direkt vom abzulösenden Schiff, der “Bremen”, vor Ort in alle Besonderheiten und Lagesituationen eingewiesen werden konnte, übergab der Kommandant der “Dresden”, FK Lüdecke, befehlsgemäß Mitte Dezember die Führung an FK Köhler. Es war vorgesehen, dass FK Lüdecke die fertige “Karlsruhe” im Sommer in die Karibik überführt und nach Wechsel der Kommandanten, Lüdecke seine “Dresden” nach Deutschland zurückbringt, während “Karlsruhe” auf der Ostamerikanischen Station unter Führung seines Kommandanten, FK Köhler, seinen Dienst versehen sollte.

Foto: Der Kleine Kreuzer “Karlsruhe” im Frühjahr 1914 während der Werfterprobungsfahrten. 

(S.M.S. “Karlsruhe”: Bau-Nr. 181, Stapellauf am 11. November 1912, Indienststellung am 15. Januar 1914, neben 12 kohlebefeuerte Kessel hatte sie bereits zwei ölbefeuerte Wasserrohrkessel, die zwei Marine-Turbinen antrieben.)

Auf der Ostamerikanischen Station 1914:

Am 27. Dezember 1913 gegen 07.00 Uhr befand sich S.M.S. “Dresden” bereits in der Schleuse von Kiel-Holtenau, um über den Kaiser-Wilhelm-Kanal (heute: Nord-Ostsee-Kanal) in die Nordsee zu verlegen. Bereits um Mitternacht standen die Heizer auf Seewache. Nachdem um 05.00 Uhr alle Weihnachtsurlauber an Bord zurück waren, legte die “Dresden” mit dem Befehl: “Dampf auf” von der Festmacheboje ab. Gegen 18.00 Uhr am selbigem Tage erreichte sie die Reede vor Hamburg und ankerte bei sehr stürmischem Wetter, um am nächsten Tag die Ausreise nach Mexico zu beginnen. Durch den Ärmelkanal, die Linie Dover-Calais wurde am Nachmittag des 29. Dezember 1913 passiert, nahm die “Dresden” Kurs auf die Inselgruppe Madeira, nachdem sie am 30. Dezember den Leutturm Brest in Sicht hatte und damit das vorerst letzte sichere Besteck. Am 2. Januar 1914 gegen 15.00 Uhr lief die “Dresden” in den Hafen Funchal auf Madeira ein und lag für zwei Tage hier fest. Am Vormittag des 5. Januar, bei herrlichstem Sonnenschein und ruhiger See, machte sich der Kleine Kreuzer nach Sankt Thomas in der Karibik auf den Weg. Der Hafen von Charlotte Amalie auf der Insel Sankt Thomas wurde am 13. Januar 1914 erreicht, wobei sogleich an der Kohlenpier der HAPAG festmacht wurde, um am nächsten Tag zu kohlen. Das Kohlen der Kriegsschiffe war generell ein spezielles Thema. Ungeliebt, weil es eine sehr anstrengende und sehr schmutzige Arbeit in der Regel für alle Besatzungsmitglieder war, wurde diese Arbeit auf Sankt Thomas durch einheimische Tagelöhner vollbracht, die für einen Kohlensack, den sie in die Oberdecksöffnungen der Kohlebunker schütteten, eine Marke, die 0,5 Pfennig wert war, erhielten und am Ende des Kohlens durch den Zahlmeister des Schiffes entsprechend der Anzahl der abgelieferten Marken ausgezahlt wurden. Am 15. Januar lief die “Dresden” zu ihrem Bestimmungshafen Vera Cruz (Mexico) aus, den sie am 22. Januar erreichte. Vom Kleinen Kreuzer “Bremen” sehnsüchtig erwartet, übernahm FK Köhler mit der “Dresden” diese neue Aufgabe, während  S.M.S. “Bremen” drei Tage später die Heimreise nach Deutschland antrat.

Foto: S.M.S. “Bremen” in den Farben für Auslandskreuzer der Kaiserlichen Marine

Im Hafen von Vera Cruz befanden sich zu dieser Zeit Kriegsschiffe verschiedener Staaten, so ein engl. Verband unter Admiral Cradock mit HMS “Suffolk”, “Essex”, “Berwick”, “Bristol” und dem Lazarettschiff “Hermione”, weiterhin zwei franz. Kreuzer, “Descartes” und “Conte”, der span. Kreuzer “Carlos Quinto”, ein holl. Küstenpanzerschiff und mehrere nordamerikanische Kriegsschiffe. Im Verlaufe der nächsten 4 Monate lief die “Dresden” öfter zwischen Vera Cruz und Tampico (Mexico) hin und her. Der Rhythmus bestand aus einen Aufenthalt von ca. 6 Wochen vor Tampico und ca. einer Woche in Vera Cruz, um sich zu erholen sowie Proviant und Kohlen zu übernehmen. Während die anderen Mächte dem Treiben und den Wirren der am mexicanischem Bürgerkrieg beteiligten Kräfte meist aus sicherem Abstand zuschauten, versuchte die “Dresden”, Flüchtlinge der verschiedensten Nationen und vermögende Einheimische vor den nahenden Rebellenarmeen an Bord oder auf zeitweise requirierten Schiffen aufzunehmen, um sie bei Ende der vermeintlichen Gefahr wieder nach Tampico abzugeben. Letztmalig am 19. Mai 1914 verlässt die “Dresden” die Reede vor Tampico, um nach Vera Cruz zu dampfen. Hier warteten einige Wochen der Ruhe und Erholung auf Schiff und Besatzung. Am 14. Juli 1914 erhielt die “Dresden” Befehl, in den Hafen Puerto Mexico zu verlegen, dort den an die Macht geputschten und nun gestürzten Präsidenten, General Huerta mit Familie samt der Sippe seines Kriegsministers Blanquet zu übernehmen und ins Exil nach Jamaica zu transportieren. Die “Dresden” erreichte am 24. Juli 1914 den Hafen von Kingston auf Jamaica. Nach Abgabe der Exilanten ging es sofort weiter nach Haiti, um sich mit der bereits in Port au Prince wartenden “Karlsruhe” zu treffen. Die Übergabe der Aufgaben des Auslandskreuzers auf der ostamerikanischen Station fand am 25. und 26. Juli 1914 in Port au Prince statt. FK Köhler verabschiedete sich von der Besatzung und setzte auf die “Karlsruhe” über, wo er die Führung des Schiffes von FK Lüdecke übernahm. Dieser kehrte nun auf seine “Dresden” zurück mit der Aufgabe, Schiff und Besatzung nach Deutschland zurückzuführen.

Vom Kriegsausbruch bis Coronel:

Die “Dresden” befand sich am 31. Juli 1914 auf der Heimfahrt von der Insel Sankt Thomas mit Kurs auf die Azoren, als ein Telegramm vom Admiralstab mit der Weisung eintraf; “da Kriegsgefahr mit Großbritannien, Frankreich und Russland droht, die Heimfahrt abzubrechen und entsprechend den Mobilmachungsbestimmungen im Gebiet Nr. III , dem Südatlantik, Kreuzerkrieg zu führen ist”. S.M.S. “Dresden” änderte Kurs nach Süden und machte das Schiff “Klar zum Gefecht”. Die weiteren Details der Handlungen des Kleinen Kreuzers bis zu seiner Selbstversenkung am 14. März 1915 sind im rekontruierten Kriegstagebuch detailliert dargestellt. Nach einigen wenigen Erfolgen gegen den englischen Seehandel an der brasilianischen und weiter an der argentinischen Atlantikküste faßte der Kmdt. den Entschluss, der zunehmenden Verfolgung durch engl. Seestreitkräfte in der Art zu entkommen, dass er versuchte, um Kap Horn an die Westküste von Südamerika zu verlegen. Er hoffte auf mehr Erfolg im Kreuzerkrieg und der Möglichkeit, sich mit dem Kleinen Kreuzer “Leipzig”, der sich auf der westamerikanischen Station befand, zu vereinen. Diese Möglichkeit wurde ihm auch vom Admiralstab in Berlin nahegelegt. Aber es kam noch besser für die “Dresden”. Das nach Südamerika ausweichende dt. Ostasiengeschwader unter Führung von Vizeadmiral Graf v. Spee zog beide Schiffe, die “Leipzig” und die “Dresden” am 12. Oktober 1914 bei den chilenischen Osterinseln zu seinem Verband. Die “Dresden” lief nun als taktische Nummer 5 des Kreuzergeschwaders, welches am 1. November 1914 im Seegefecht vor Coronel (Chile) einem engl. Kreuzergeschwader unter Führung von Admiral Cradock eine Niederlage beibrachte. Nach diesem Gefecht gab das dt. Geschwader seine Deckung auf und lief in den chilenischen Haupthafen Valparaiso ein. Da auf Grund der völkerrechtlichen Bestimmungen nur 3 Kriegsschiffe eines kriegführenden Staates gleichzeitig in einem neutralen Hafen liegen durften, erreichten der Panzerkreuzer “Scharnhorst” (Führerschiff des Geschwaderchefs) und “Gneisenau” sowie der Kleine Kreuzer “Nürnberg” am 3. November 1914 den Hafen von Valparaiso. Ziel war es, der Welt zu zeigen, dass das dt. Kreuzergeschwader aus dem Gefecht mit dem engl. Geschwader ohne Schäden und Verluste hervorgegangen ist. Auch wollte v. Spee Informationen über die “Good Hope” erlangen, über deren Schicksal zu diesem Zeitpunkt nichts bekannt war. 

Foto links: Das Führerschiff des dt. Geschwader, S.M.S. “Scharnhorst” mit der dahinter befindlichen S.M.S. “Gneisenau” auf der Reede von Valparaiso.

Foto: Das deutsche Geschwader verläßt die Reede von Valparaiso (im Hintergrund)

Am 13. November 1914 durften dann auch die beiden “Sachsenkreuzer”, “Dresden” und “Leipzig”, für einen Tag in Valparaiso verweilen. Viele Schaulustige, aber vor allem die in Chile ansässigen Deutschen nutzten diese Gelegenheit, um sich die beiden Schiffe näher anzusehen und sich von ihrer Unversehrtheit zu überzeugen.

Foto: Leutnant zur See Fleischer beim Kontrollgang

Foto: Viele Besucher ließen sich das Schiff erklären

Das Desaster vor den Falkland-Inseln:

Valparaiso verlassend, steuerten “Dresden” und “Leipzig” auf einen Sammelkurs Richtung SSW, um sich mit dem Kreuzergeschwader zu vereinen, dass von Mas a Tierra zur St.- Quentin-Bucht lief. Ziel des Geschwaderchefs war es, um Kap Horn in den Südatlantik zu verlegen und im weiterem zu versuchen, das Geschwader ohne Verluste in die Heimat zu überführen. Auf diesem Weg meinte er, die engl. Funkstation und die Nachschublager der Briten auf den Falkland-Inseln (span.: Islas Malvinas) zerstören zu können. Nachdem das Geschwader in einer außergewöhnlich heftigen Sturmfahrt um Kap Horn fuhr, kam es am 8. Dezember 1914 zur Schlacht vor den Falkland-Inseln gegen einen überlegenen brit. Flottenverband, in deren Ergebnis nur die “Dresden” dem Gegner entkommen konnte. Damit war das Ende der Präsenz dt. Seestreitkräfte in den außereuropäischen Gewässern im wesentlichem besiegelt und die uneingeschränkte Seeherrschaft der Entente in dieser Region wieder hergestellt.

Foto links: Dieses bekannte Foto ist von Ende November 1914, als das dt. Kreuzergeschwader in der taktischen Reihenfolge “Scharnhorst”, “Gneisenau”, “Nürnberg”, “Leipzig” und “Dresden” in Richtung Kap Horn ablief. Dieses Foto ist von der “Dresden” aufgenommen. Das Wetter an den vorangegangenen Tagen war so schwer, dass die für die lange Heimreise zusätzlich an Oberdeck festgezurrte Kohlenladung über Bord geworfen werden mußte, um die Stabilität der Kleinen Kreuzer zu gewährleisten.

In den feuerländischen Verstecken:

Sich durch die Flucht in die Gewässer von Feuerland der Vernichtung durch die engl. Kriegsschiffe zu entziehen, erreichte die “Dresden” am Morgen des 10. Dezember 1914 den Cockburn-Canal und ankerte gegen 16.00 Uhr in der Sholl-Bai unterhalb des Mount Lizzie. Die vergangenen 48 Stunden hatten von der Besatzung und dem Schiff ein Maß an Anstrengungen erfordert, die das bisher dagewesene bei weitem überstieg. Der Kmdt. der “Dresden” schrieb am 11. Dezember in sein Tagebuch: “... meine Nerven haben sich doch noch nicht genügend von dem Ereignis am 8.XII beruhigt... ich muß nach Punta Arenas um Kohlen aufzufüllen. Ob die chilenische Regierung mir welche geben wird, ist sehr fraglich, weil wir ja am 13. Nov. in Valparaiso schon einmal Proviant genommen hatten ... es ist eine recht schwere Zeit, und ich kann noch garnicht übersehen, wie ich aus ihr herauskommen kann, einigermaßen in Ehren ...” (Quelle: Bundesarchiv MA Freiburg RM5/2228/S.40) Am 12. Dezember lief die “Dresden” in Punta Arenas (P.A.) ein. Es gelang ihr mit Unterstützung des deutschen Geheimdienstes, insbesondere des Oberleutnant d. R. zur Helle von einem dort liegenden dt. Dampfer 750 t Brikettkohle zu übernehmen. Die nachfolgenden Wochen bis zum 14. Februar 1915 verbrachte das Schiff und seine Besatzung, immer auf der Flucht vor den suchenden engl. Kriegsschiffen, in Verstecken der teilweise unvermessenen inneren Gewässer von Feuerland. Mit Unterstützung vieler Helfer, so den bereits erwähnten Oberleutnant zur Helle, dem dt. Konsul in P.A., Stubenrauch, des Kosmos-Agenten Curtze, des dt.-chilenischen Kapitäns Rothenburg, des Bootsführers und Pelztierjägers Pagels mit seinem Matrosen Schindig, gelang es der “Dresden”, sich unbemerkt vom Gegner und den Umständen entsprechend zu regenerieren. Besonders erwähnenswert ist dabei die nautische Leistung des Navigationsoffiziers und späteren I. Offizier der “Dresden”, Kapitänleutnant Wieblitz, der mit Unterstützung einer kleinen Crew mittels der Dampfpinasse des Kleinen Kreuzers Teile der inneren Gewässer von Feuerland erkundete und aufzeichnete. (Originalskizze der Ankerplätze S.M.S. “Dresden” in den feuerländischen Gewässern vom 10. Dezember 1914 bis 14. Februar 1915)

Fahrt in den Untergang:

Am 15. Februar 1915 erreichte die “Dresden” mit seinem inzwischen aus Buenos Aires heranorganisierten Versorgungsdampfer “Sierra Cordoba” (Kapitän Schaeffer) das offene Meer im Stillen Ozean. Der Kmdt. versuchte, durch das Versegeln in NNW-Richtung entlang der chilenischen Südküste, gegnerische Handelsschiffe aufzubringen. Am 27. Februar 1915 gelang es, das brit. Vollschiff “Conway Castle” nach Untersuchung und Übernahme der Besatzung, zu versenken. Für beide Seiten unerwartet, stieß am 8. März 1915 der brit. Panzerkreuzer “Kent” auf die “Dresden”, als diese ca. 250 sm südlich von Mas a Tierra (Juan Fernandez Archipel - Chile), durch das Wasser treibend, nach Prisen und seinem avisierten Kohlendampfer “Gotha” Ausschau hielt. Mit Glück und nochmals höchster Geschwindigkeit entkam die “Dresden” dem artilleristisch überlegenen brit. Panzerkreuzer. Die “Dresden” ankerte am 9. März 1915 ausgebrannt (nur noch 80 t Kohle an Bord) und mit desolater Maschinenanlage in der Cumberland-Bucht vor Mas a Tierra, der Robinson-Insel. Die Gesamtsituation des Kleinen Kreuzers “Dresden” richtig einschätzend, war dem Kommandant, Kapitän zur See Fritz Lüdecke, klar, dass nur noch die Internierung unter chilenischer Hoheit möglich war. Der Admiralstab stellte ihm per Telegramm frei, “aufzulegen”. Während der Verhandlungen und Einholung der Garantien für die “Dresden” und seiner Besatzung kam es am 14. März 1915 zum Ende und Untergang des am 5. Oktober 1907 in Hamburg vom Stapel gelaufenen Kleinen Kreuzer “Dresden”. Die Einzelheiten der Selbstversenkung sind für den interessierten Leser gesondert beschrieben. Die Schwerverwundeten der Besatzung der “Dresden” vom 14. März 1915 verbrachte der brit. Hilfskreuzer “Orama” nach Valparaiso in das dortige dt. Hospital. Der Rest der Besatzung wartete an Land auf den chilenischen Panzerkreuzer “Esmeralda”, um via Valparaiso auf die kleine Insel Quiriquina in die Internierung verbracht zu werden. 

Foto: Die “Orama” bei der Abgabe der Schwerver- wundeten in Valparaiso

Foto: Besatzungsangehörige der “Dresden” mit Besatzungsmitgliedern der “Esmeralda” bei der Über- fahrt zur Internierung auf Quiriquina.

Durch das verantwortungsvolle Verhalten des Kommandanten der “Dresden”, seine ihm unterstellte Besatzung, bei aller Erfüllung der an das Schiff gestellten Aufgaben, am Leben zu erhalten, können sich heute die Nachfahren der Besatzung dieses Schiffes der kaiserlichen deutschen Marine Ihrer Väter und Großväter erinnern.