Kmdt. der “Dresden”       Kapitän zur See      Fritz Lüdecke

Nachlaßforschung

Foto: Obermatrose Rudolf Hellmann (links), geb. am 04.07.1892 in Niederstradam (Schlesien), von Beruf Tischler. Sein Spitzname in der Besatzung war “Hobel”. Sein Freund und “Inselfotograf”, Obermatrose Otto Bitter, machte dieses Foto in Anspielung an seinen Spitznamen. Bis zu seinem Tode im Jahre 1975 lebte Rudolf Hellmann in Wiltberg bei Meißen und hatte bis zuletzt Kontakt zu seinem Freund Bitter bzw. seiner Familie in Berlin. Der Autor konnte mit einem Sohn, eins von acht Kindern des Rudolf Hellmann, sprechen und bedankt sich für das interessante Gespräch.

13.02.2008: Über diese Internetpräsentation meldete sich der Urenkel des Obermaschinisten Alfred Dedlow und stellte Informationen und Fotos seines Urgroßvaters zur Verfügung. Dafür sehr herzlichen Dank. Damit kann ich den interessierten Nutzern ein weiteres Besatzungsmitglied von S.M.S. “Dresden” näher vorstellen.

Alfred Karl Friedrich Dedlow wurde am 05. November 1877 in Schwerin geboren. Von 1884 bis 1892 besuchte er in seiner Geburtsstadt die Volkshochschule. Seine folgende Berufsausbildung und die Zeit bis zum Eintritt in die Kaiserliche Marine am 27. Juni 1897 ist gegenwärtig noch unbekannt. Der junge Alfred Dedlow heiratete am 22. Januar 1904 seine Verlobte Martha, geb. Peters. Am 01.01.1908 wurde er als Maschinist zum Deckoffizier ernannt. 1912 erhielt er die Dienstauszeichnung I. Kl., nachdem er bereits mit der Chinamedaille dekoriert war. Durch die Recherche konnte festgestellt werden, dass er bereits vor 1913 auf S.M.S. “Dresden” seinen Dienst versah. Auch die Tatsache, dass der Kommandant der “Dresden” den Obermaschinisten Alfred Dedlow für seine Leistungen während des Krieges beim Admiralstab 1915 für eine Auszeichnung vorschlug, läßt annehmen, dass er ein anerkannter Wachmaschinist auf S.M.S. “Dresden” war. 

Foto oben: Hochzeitsbild von Martha und Alfred Dedlow.

 

Foto rechts: Einige Deckoffiziere des Kleinen Kreuzer “Dresden” während der Internierung auf Quiriquina (hier in der Deckoffiziersmesse). Im einzelnen sind zu sehen von links nach rechts: Torpedo-Maschinist Karl Junge, Steuermann Gustav Hilse, Obermaschinist Oscar Konow, FT-Meister Hermann Heil, Steuermann Nicolaus Franzen, Oberheizer Julius Zimmermann (Steward), Obermaschinist Alfred Dedlow, Obermaschinist Franz Eckert, Maschinist Heinrich Ahrns, Obermaschinist Wilhelm Gaffrey, Bootsmann Joseph Kieser, Maschinist Friedrich Schmidt.

Foto links: Dieses Foto zeigt das Maschinenpersonal von S.M.S. “Dresden” 1916 auf Quiriquina. Kurz vorher wurde die Ausrüstung aller Besatzungsmitglieder mit neuen Uniformen abgeschlossen.

 

Mit Hilfe der Fotos, die mir von Bob Dedlow, dem Urenkel, zur Verfügung gestellt wurden, konnten die im unteren Ausschnitt vergrößerten Offiziere und Deckoffiziere identifiziert werden. Erstaunlich ist dabei, dass die “Schwarzhälse” ihren I.O. KL Wieblitz in ihre Mitte genommen hatten. 

Reihe Mitte v. links n. rechts: Maschinist Heinrich Ahrns, Maschinist Friedrich Schmidt, Obermaschinist Alfred Dedlow, Obermaschinist Franz Eckert, I.O. KL Ernst Wieblitz, M.-Ing. Reinhardt Meyer, Obermaschinist Wilhelm Gaffrey

Foto unten: Obermaschinist Dedlow (rechts) mit weiteren Besatzungsmitgliedern von S.M.S. “Dresden” und Gästen vom chilenischen Festland beim Waldspaziergang auf Quiriquina.

Foto: Die Decksoffiziere (links beginn.) Obermaschinist Konow, Bootsmann Kieser, Obermaschinist Dedlow, Obermaschinist Eckert, Maschinist Ahrns und Maschinist Kück vor der Mannschaftsunterkunft auf der Insel Quiriquina.

Nach der Rückkehr aus der Internierung und Entlassung am 09. März 1920 ist bekannt, dass Alfred Dedlow seit dieser Zeit in der Hansestadt Rostock wohnte, u. a. Reichsbahnobersekretär war und am Hauptbahnhof in Rostock gearbeitet und insgesamt 6 Kinder  ( 5 Jungs+1 Mädchen) hatte und im Jahre 1969 verstorben ist.

01.04.2008: Der Urenkel des Johann Georg Paul Gustav Tiemann, Franz Tiemann, in Tocopilla /Chile lebend, hat folgende Informationen geschickt:

“Beim Durchsuchen von alten Dokumenten meines Vaters bin ich auf die Geburtsurkunde sowie den Wehrpaß meines Großvaters gestoßen. Laut diesen Dokumenten wurde Johann Tiemann am 05.04.1888 in Hamburg geboren.”

Aus dem Wehrpaß geht hervor, daß Johann Tiemann am 01.04.1913 eine Körpergröße von 1,675 cm besaß, als er als Einjährig Freiwilliger im Infanterie-Regiment Nr. 75 “Bremen” / 6. Kompanie seinen Wehrdienst antrat. (Stiefellänge 28, Stiefelweite 2 - nur für die ganz Interessierten!) Von Beruf war er Kaufmann, seine Konfession evangelisch. Er wurde am 31.03.1914 zur Reserve Hamburg, Truppenrolle 9/13 entlassen. Johann Tiemann besaß einen Nachweis für die Bedienung des Gewehr 98 und war im Besitz der I. Schießklasse. Am 13.11.1914 befand er sich als kaufmännischer Angestellter in Valparaiso. An diesem Tag weilte S.M.S. “Dresden” nach dem Seegefecht vor Coronel gemeinsam mit S.M.S. “Leipzig” in Valparaiso. Johann Tiemann meldete sich als Freiwilliger an Bord und lief mit dem Kleinen Kreuzer aus. Als S.M.S. “Dresden” am 26.11.1914 mit dem Ostasiengeschwaders in der St. Quentin-Bucht lag, mußte er das Schiff jedoch wegen “Überangebot”, wie der I.O., KL Nieden, in seinen Wehrpaß eintragen ließ, wieder verlassen. 

Auszug aus dem Militärpaß von Johann Tiemann

23.08.2009: Der Enkel des Marine-Ingenieur-Oberaspiraten Hermann Schüssler erzählte mir aus dem Leben seines Großvaters. Hermann Schüssler, geb. am 07. Januar 1890 in Stettin, trat im Oktober 1908 in die Kaiserliche Marine ein. Seinen Dienst versah er als Marine-Ingenieur-Anwärter u.a. auf dem Linienschiff “Pommern”. Seine Stammeinheit war die II. Abteilung der II. Werftdivision in Wilhelmshaven. Seine Beförderung zum Marine-Ingenieur-Aspiranten datiert auf den 22. September 1912 mit anschließender Versetzung in die I. Torpedobootsdivision. Im Herbst 1913 wurde er unter gleichzeitiger Beförderung zum Marine-Ingenieur-Oberaspiranten auf S.M.S. “Dresden” kommandiert. Hier versah er bis zu seiner Entlassung im Frühjahr 1920 seinen Dienst.

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Marine-Ing.-Anwärter
Hermann Schüssler 1908

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Vorn, 2. v. rechts: Hermann Schüssler (daneben Marine-Ing.-Aspirant Franke) mit seinem Personal

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Damenbesuch auf Quiriquina. Hermann (in der Mitte) wirft einen Blick auf die hübsche Luisa Schaub, die er am 24.03.1921 heiratete

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Hermann Schüssler, der angehende Prokurist der Firma Schaub aus Chiguayante (Chile)

Während der Internierung auf der chilenischen Insel Quiriquina lernte er Luisa Schaub, die Tochter des Fabrikanten Schaub aus Chiguayante bei Conception kennen. Die deutsch-chilenische Familie Schaub führte eine Manufaktur für die Herstellung von Verpackungsmaterial. Diese Firma besteht heute noch in Chiguayante. Mit der Heirat von Luisa trat er nach der Auflösung der Internierung der “Dresden”-Besatzung als Prokurist bei seinem Schwiegervater ins Geschäft ein, welches er bis zu seinem Tode im Jahre 1971 betrieb.

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Hermann Schüssler mit seiner Frau Luisa während eines Besuches seines “Dresden”-Freundes, Ex- Marine-Zahlmeister Dr. Wilhelm Barth (vorn rechts) und seiner Ehefrau in Celle 1958.

20.05.2012: Die Tochter von Obermatrose Max Otto Wilhelm Krause, Frau Melitha Krause berichtete über Ihren Vater, der nach der Entlassung am 31.08.1919 in Temuco (Chile) verblieb und hier ein neues Leben aufbaute. Dazu vielleicht später mehr. Max war am 15.06.1892 in Reppen bei Frankfurt an der Oder geboren, trat am 10. Januar in der 1. Matrosendivision der KM bei und diente auf dem Kleinen Kreuzer “Dresden” vom 28.05.1913 bis zu seiner Entlassung. Der Kommandant bescheinigte ihm eine gute Führung während seiner Dienstzeit.

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Entlassungsbescheinigung Max Krause

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Foto: Obermatrose Max Krause während der Internierungszeit auf der chilenischen Insel Quiriquina 1915 bis 1919